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Wiedereröffnung "Goldenes
Rad" in Mönchberg
»Bockbierbauch": Ist das etwa eine Anspielung
auf die Figur zufriedener Stammgäste? Mitnichten - obwohl auch der sich
runden könnte, wenn am 21. Mai das »Goldene Rad« mit Maibock-Anstich wieder
geöffnet wird. Der gegrillte Bockbierbauch (eingelegtes Schweinefleisch) und
der Bockbierteller (kalte Platte) sind zwei der Schmankerln auf der Speisekarte,
mit denen Wirtin Lucia Heider die Gäste verwöhnen will:
Die Besucher-Wellen können anrollen.

Den Spagat zwischen Tradition und Moderne üben sie seit
Generationen im Goldenen Rad, ohne das Flair einer urigen Dorfwirtschaft zu
zerstören. Umbau und Erweiterung des Gastraums auf 50 Sitzplätze 1981 wurden
von einer Fachkraft der Akademie für Landwirtschaft und Forsten begleitet.
Die mit Intarsien geschmückten Holzstühle halten bis heute, und auch das
Fensterchen zum Eingang auf der Hofseite ist noch zu sehen, durch das früher
Bier im Maßkrug über die Straße verkauft wurde.
»Hier gab´s schon Fremdenzimmer mit fließendem
Wasser, als vor dem Zweiten Weltkrieg das Freibad aufgemacht wurde«,
berichtet Wirtin Lucia. Sie hat sich jetzt von ihrem "wunderbaren Kohleherd"
getrennt, auf dem sie seit über zwei Jahrzehnten Spessarter Kost zubereitet
hat: für die Gäste und für die Familie. »Ein bisschen nachgetrauert habe ich
ihm schon«, seufzt sie inmitten ihrer neuen Edelstahl- Kücheneinrichtung und
rührt in Töpfen auf dem Gasherd, in denen es verheißungsvoll blubbert. Doch
nun ist sie stolz auf ihre »Hightech-Küche«, die in den vergangenen drei
Wochen eingebaut worden ist, weshalb das »Rad« geschlossen war.
Das moderne Gerät wird ihr das Werkeln in Zukunft
erheblich erleichtern, und das ist gut so: Denn Lucia Heider (geborene
Ullrich, Jahrgang 1936) führt seit dem Tod ihres Mannes 1999 einen Ein-Frau-
Betrieb im ältesten Gasthaus Mönchbergs, das schon 1717
im Pfarrbuch erwähnt ist.
Mit dem Metzger Karl Friedrich Heider, der 1879 die Witwe
Anna Schnall (geborene Frankenberger) geheiratet und das
Goldene Rad übernommen hat, wurde eine Tradition begründet:
Metzger und Gastwirte aus der Heider-Großfamilie arbeiten seither Hand in
Hand. Auch die »Radwirts Marie« stammte aus der Metzgerei im Haus Nr. 36 und
führte
nach dem frühen Tod ihres Mannes Engelbert das Gasthaus weiter. Als sie 1979 tödlich verunglückte, traten ihr
Neffe, der Metzger Paul Heider, und seineFrau Lucia die Nachfolge an, und in der
nächsten Generation setzt sich die "Ämterteilung" fort: Sohn Josef
beherrscht das Fleischerhandwerk und beliefert die Küche im »Rad«, das zwar
auf Bruder Eberhard übergegangen ist, wo aber nach wie vor Mama Lucia das
Regiment führt.
Und das soll noch lange so bleiben, .»damit sich die
Modernisierungs-Ausgaben lohnen«, scherzen die beiden. Lucia ist nach
schweren Jahren des Eingewöhnens mit Doppelbelastung Metzgerei/Gasthaus
(die Fremdenzimmer wurden aufgegeben) längst Wirtin mit Leib und Seele geworden. »Ich
kann nicht allein und nicht ohne Arbeit sein", sagt sie und freut sich
schon darauf, wieder ihr Schild mit den Tagesangeboten vor das denkmalgeschütze
Fachwerkhaus in der Hauptstraße 22 zu stellen.
Da kann's zu
Öbbelwoi und Worscht mal Grumbiern-Gemüs hell oder dunkel mit frischen
Kräutern direkt aus dem Garten geben oder Gerichte nach Omas Rezept wie
Schwartenmagen-Wurstsalat und Apfelschiweli. Und wenn es rund geht bei Feiern
und Festen und sogar die Scheune zum Rast- und Gastraum wird, kann sie
allemal auf die helfenden Hände der Familienmitglieder zählen.
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